Club Germania 1882 - 1948
Germania war die Devise in jenen Jahren nach der Gründung des Kaiserreiches und Germania wurde der Name jenes Geselligkeitsclubs den 15 junge Burgdorfer Bürgersöhne am 6. August 1882 ins Leben riefen. Die jungen Herren hatten sich geärgert, weil der Männerturnverein ein ihnen missliebiges Mitglied aufgenommen hatte. Sie hatten dagegen gestimmt, waren aber unterlegen.

Ob diese Gründung an jenem Sommertag unter freiem Himmel auf dem Kirchplatz (heute Spittaplatz)  stattfand, ist nicht überliefert, aber auch nicht unmöglich.

Erst 13 Jahre später wurde in einem pompösen Festakt auf dem Kirchplatz ein Kriegerdenkmal errichtet, auf dem eine Schwertschwingende Germania stand.

Wenn man mit einem Verein nicht mehr zufrieden ist, verlässt man ihn und schafft sich einen Neuen. Dieses hatten die 15 Clubgründer getan. Im Burgdorfer Wochenblatt vom 09. September 1882 luden Sie ein wenig geheimnisvoll zu einer Versammlung ein, ohne den Ort genau zu nennen. Wahrscheinlich passierte dieses in der Gastwirtschaft TAPPE (später Scheinhardt, noch später Bührkes "Gasthaus zum Löwen").

Da ein Verein auch einen Vorsitzenden benötigt, wählten Sie GUSTAV ROHDE von Beruf Lohgerber (er hat Rinderhäute zu strapazierfähigem, kräftigem Leder für Schuhsohlen, Stiefel, Sättel usw. verarbeitet) dazu.
Germania Burgdorf
Im Jahr 1891 wird beim Magistrat der Stadt Burgdorf eine Satzung eingereicht,
die als Zweck des Clubs freundschaftliches Zusammenhalten,

sowie auch sich durch Gespräche und erlaubte Spiele auf gesellige Weise zu unterhalten
angibt.

Bürgermeister Dr. Heinrich Schuster genehmigt die Satzung. Aufgenommen werden nur ledige Bürgersöhne, mit einer Heirat endete die Mitgliedschaft. Klublokal wird die Gastwirtschaft Tappe.

Mit dem Schützenfest haben die Germanen zunächst nicht viel zu tun. Erst im Jahr 1892 beantragen die Germanen ihre Teilnahme am Burgdorfer Schützenfest. Diesem Antrag wurde entsprochen und Sie beteiligten sich zunächst erst als Pahlbürger am Schützenfest. Eine Fahne mit der Germania darauf wurde angeschafft und bereits im darauf folgendem Jahr 1893 wurde mit Julius Jänecke der Schützenkönig gestellt.

1908 wollen die Germanen am Schützenfest nur dann teilnehmen, wenn Ihnen auch ein Tisch im Hauptzelt zugewiesen wird. Diesem stimmen die Schützen zu. Das den Schützen an der Teilnahme der GERMANEN beim Schützenfest viel gelegen ist, zeigt auch, dass Sie mit Musik vom Vereinslokal abgeholt wurden.
Festwagen 1911

Umzug 1911
Vielleicht hatte man früher mehr Zeit oder nahm sie sich einfach mangels anderer Zerstreuung, jedenfalls haben sich die Germanen vor dem 1. Weltkrieg sehr oft mit Motivgruppen oder Festwagen am Schützenausmarsch beteiligt.

Ein besonderes Ereignis wurde dem Club Germania 1912 zu Teil. Zum 30.jährigen Bestehen des Clubs wurde von den Ehemaligen Germanen ein Silberpokal gestiftet. Dieser Pokal ist heute noch vorhanden und wird bei jeder Versammlung oder Veranstaltung als Trinkpokal benutzt.
Bierpokal

Bierpokal
1923 ging die Mitgliederzahl des Clubs durch die Zeitenwende (1.Weltkrieg, Ende des Kaiserreiches, wirtschaftliche Not) stark zurück. Dieses erforderte ein Umdenken und eine entscheidende Satzungsänderung wurde vorgenommen:
Durften zunächst nur Ledige dem Club angehören, konnten künftig auch Ehemänner im Club verbleiben. Sie verloren jedoch Ihr Stimmrecht.
Germanen während des Schützenfestes 1927! Germania Burgdorf
Während des Schützenfestes 1932 begehen die Germanen ihr 50-jähriges Stiftungsfest. Genau zu diesem Jubiläum wird der Germane, Walter Rückriem (Bäckermeister), Schützenkönig-1.Tag Freihand.

Ausufernde, trinkfeste Geselligkeit und Übermut führten zum vorläufigen Ende des Club Germania!

An einem schönen Abend (11.Mai 1935) karrten einige Germanen einen ebenfalls bezechten Mitbürger in einem Sarg auf einem Handwagen durch die Stadt. Dieses war ein willkommener Vorwand für die Behörden den Club Germania zu verbieten!

Die Beteiligten erhielten eine Strafverfügung über 20,00 Mark und das gesamte Vermögen des Clubs wurde beschlagnahmt.

Die Überlieferung besagt, das der örtliche Nazi-Polizeigewaltige endlich einen Grund hatte sich am Club zu rächen. Ihm wurde die Aufnahme in den Club verweigert!